Rosa Groth - Gesangspädagogin

Hier ein paar Tipps und Gesangsübungen

Beim Singen ist der Körper das Instrument, deshalb sollte er gelöst und unverkrampft aber nicht spannungslos sein.
Stellen Sie sich vor den Spiegel und überprüfen Sie Ihre Haltung beim Singen und vorher:
Sind die Schultern gelöst oder hochgezogen?
Sind Hals und Gesichtsbereich entspannt?
Stehen Sie gut, aufrecht und sicher und spüren Ihre Füße?
Fließt der Atem entspannt in den Körper?
 Die Schultern sollten sich beim Atmen nicht heben. Üben Sie ruhig mal im Sitzen, wie es sich anfühlt, den Bauch locker (rausfallen) zu lassen. Ich weiß, dass entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal...;-) Aber ein entspannter und tiefer Atem wir es Ihnen danken!

Also:
Schultern locker, Kiefer hängen lassen, Bauch loslassen und den Atem einfach in den Körper fallen lassen.

Aber zuerst lockern wir den Körper:

1. Beine locker von der Hüfte her ausschütteln, 2. Rumpf locker drehen und die Arme „wie aus Gummi“ mitschwingen lassen. Diese Übungen tun auch gut und machen wach, auch wenn man nicht gleich singen möchte.
Den Kiefer mehrmals locker fallen lassen. Der Kopf sitzt ganz entspannt und gelöst auf dem Hals. Das Gesicht entspannen und hängen lassen. (kontrollieren: Stirn, Augen, Wangen, Kiefer locker? – eventuell mit den Fingerspitzen behutsam massieren).

Ist der Kopf locker oder “angespannt bis in die Haarwurzeln”? Behutsam die Kopfhaut und die Nackenmuskeln massieren/klopfen und vielleicht den Kiefer noch einmal locker lassen..

Entspannt (ggf.) im Sitzen (aufrechter Oberkörper, Schultern gelöst) den Atem wahrnehmen. Nicht bewusst einatmen sondern den Atem verfolgen, wie er durch die Nase in den Körper fließt. Eventuell eine Hand leicht auf den Bauch/Brustbein legen. Wenn der Atem fließt, dann allmählich auf fff (stimmlos) ausatmen. Jeweils nach dem ein- und ausatmen die Atempause wahrnehmen. Und probieren Sie ruhig noch einmal, den Bauch ganz loszulassen!

Atem wie Stimme (!) sollen ohne Anstrengung fließen. Wenn Spannung, Druck oder Enge beim Singen entstehen, so ist das falsch und schädlich. Achten Sie dann bewusst auf den lockeren Kiefer und Zunge, Genick (s.u.).

Stimme
Viele Sängerinnen und Sänger lösen den Kiefer zu wenig beim Singen (lassen den Kiefer nicht fallen) bzw. halten ihn sogar fest. Dadurch werden Kehlkopf und Halspartie angespannt und man muss gegen diese selbsterzeugte Spannung „ansingen“. Ergebnis: die Töne werden gepresst, unschön und rutschen in den Hals und die Höhe wird eingeschränkt und die Luft wird knapp. Probieren Sie den Kiefer mehrmals leicht und locker fallen zu lassen bzw. auf zu federn. Lassen Sie die Zunge dabei auch mal locker hängen. Aber auch hier beachten: Nicht den Mund aufreißen, denn das führt wieder zur Anspannung - sondern auch einen gelösten, passiven Kiefer achten.

Vor dem Spiegel den Kiefer hängen lassen. Gähnen, Recken und Strecken helfen, den Körper für Atem und Stimme zu öffnen..Sie dürfen sich auch getrost vor dem Spiegel die Zunge rausstrecken. Das fördert Lockerheit und Öffnung des Rachenraumes.
* Lippenflattern mit und ohne Ton (prusten wie ein Pferd)
* Summen auf www, mmhh (als wenn Sie an ein leckeres Essen denken), summen auf ng ohne Druck vom
Hals und mit locker hängendem Unterkiefer (!)in bequemer Stimmlage ist eine gute Übung für den Stimmsitz und  fördert die Resonanz.
 Wenn dabei die Lippen kribbeln und/oder es im Gesichtsbereich vibriert ist es richtig. Versuchen Sie sich vorzustellen, das der Ton vor dem Gesicht erklingt (Stimmsitz). Probieren Sie, auf welchen Konsonanten (www oder mmmh, nnn) Ihnen das leichter gelingt. Pusten Sie mit gespitzten Lippen. Lassen Sie einen Ton einfließen.

Vokale locker und rund formen aber den Mund dabei nicht breit ziehen und den Kiefer locker lassen. Probieren Sie die Vokalreihe (aeiou) ohne Ton vor dem Spiegel und versuchen Sie den Laut von Ihren Lippen abzulesen. Vorsicht - beim –i- nicht den Mund breit ziehen!!! Dann mit Ton probieren. Singen Sie nur so hoch oder tief, wie es Ihnen ohne Anstrengung, Halskratzen, Engegefühl und Anspannung möglich ist.

Niemals die Töne rausschieben! Sondern lassen Sie die Töne auf sich zuströmen. Stellen Sie sich vor, Ihr Körper
wird von den Tönen ausgefüllt und in Schwingung versetzt.

Stellen Sie sich vor, wie die Töne Ihren Kopf - Mundraum, Ohren, Schädeldecke, Nase, Zunge, Zähne....- zum klingen bringen.

Hohe Töne eher leicht von oben ansingen, nicht von der Bruststimme von unten nach oben drücken!
Am Besten:
1. Atem einströmen lassen 2. Rachenraum/Kiefer leicht öffnen 3. Ton vorstellen 4. Ton klingen lassen, d.h. singen. Achten Sie dabei auf den gelösten Kiefer und eine entspannte Lippenformung (Stellen Sie sich vor, Jemand müsste den Text des Songs von Ihren Lippen ablesen - aber Achtung: trotzdem dabei nicht verspannen, sondern locker und zielgerichtet artikulieren.

Achten Sie zwischendurch immer wieder auf Ihren Atem! (Kiefer, Hals, Bauch loslassen). So kann der Körper “mitarbeiten” und der Hals wird entlastet.

Selbstverständlich erarbeitet man eine Gesangstechnik nicht an einem Tag, aber ein paar Tipps und Übungen können durchaus helfen, Sensibilität für die Stimme zu entwickeln und allmählich eine freiere Stimmgebung zu gewährleisten – und Stimmprobleme zu vermeiden.
Ich wünsche Ihnen/dir weiterhin viel Freude und Erfolg beim Singen
Herzlich
Rosa Groth

Bitte Vorsicht bei Vorerkrankungen von Hals und Stimme. Für ein gezieltes und individuelles Übungsprogramm ist Einzelunterricht unerlässlich.
Weitere Übungen und Tipps gibt es auf DVD.

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